Mitteilungen von Vereinen, Kirchen, Parteien und Einrichtungen
Förderverein Kinderheim Zsobok e.V. - 08.10.2007
Reisebericht über unsere Fahrt nach Zsobok vom 27.09. - 02.10.2007
Vom 27.09. – 02.10.2007 waren wir zur Einweihung des Bürgerhauses in Zsobok eingeladen. Wir haben uns sehr gefreut, dass uns unser Landtagsabgeordneter und Murrer Bürgermeister Manfred Hollenbach sowie der Erdmannhäuser Bürgermeister Lutz Schwaigert bei dieser Fahrt begleiteten. Außerdem war Frau Seybold aus Gunzenhausen, eine langjährige große Förderin des Zsobok-Projekts mit uns in Zsobok. Insgesamt waren wir 13 Personen.Nach problemloser Reise und einer für alte Zsobok-Hasen unglaublich unkomplizierten Grenzabfertigung erreichten wir am Freitagabend Zsobok. Dort wurden wir wie immer sehr herzlich und freundlich empfangen und konnten unser Quartier im Kinderheim beziehen. Beim anschließenden Abendessen im Kulturhaus konnten wir uns dann ein erstes Bild vom neu renovierten und erweiterten Kulturhaus machen. Nach dem Abendessen gingen wir noch in die Bäckerei, in der die ganze Nacht durchgearbeitet wurde.
Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Kulturhauseinweihung. Rund 250 Personen kamen um 11 Uhr zum Festgottesdienst in die Kirche. János Molnár hielt die Predigt.
Danach gab es die feierliche Einweihung des Kulturhauses. Pfarrerin Irma Molnár und Senator Dènes Seres durchschnitten das rote Band, bevor István Gál-Mate die Gäste im Namen der Zsoboker herzlich willkommen hieß. Es folgten mehrere Reden. Für unsere Gruppe überbrachte Bürgermeister Manfred Hollenbach die Grüße und gratulierte zu dieser großen Leistung und zur gelungenen Renovierung. Er überreichte als Gastgeschenk der Gemeinden Murr und Erdmannhausen einen Beamer für das Kulturhaus, der auch in der Schule und im Kinderheim genutzt werden kann. Beim anschließenden Mittagessen gab es interessante Gespräche mit den anwesenden politischen Vertretern. Am Nachmittag gestalteten die Kinder ein buntes Programm und nach dem Abendessen konnte dann bis in den frühen Morgen hinein das Tanzbein geschwungen werden und so mancher von uns tanzte seinen ersten Csardas.
Nach dem Gottesdienst am Sonntagmorgen war Ausladen angesagt und wir alle staunten, welch große Menge an Hilfsgütern aus unseren beiden Anhängern herauskam. Am Nachmittag verteilte sich die Gruppe. Während die Einen nach Klausenburg fuhren und dort auch einen Besuch im Schlupfhaus machten, nutzten die Anderen die Zeit für Gespräche und einen wunderschönen Herbstspaziergang in Zsobok.
Eine interessante Begegnung gab es hierbei mit István. Er ist 19 Jahr alt und lebte zwischen seinem 9. und 18. Lebensjahr in Zsobok. Seit einem Jahr studiert und arbeitet er in Sydney in Australien und war nun für 3 Wochen in seiner alten Heimat. Auf die Frage, wie er Zsobok nun mit etwas Abstand und aus der Ferne sehe, sagte er mir, dass er Zsobok alles verdanke und dass es für ihn ein absoluter Glücksfall war, hier leben zu können. Das war sehr schön zu hören.
Neuigkeiten gibt es auch von einem weiteren ehemaligen Kinderheimkind: Linda, die vor vielen Jahren nach einigen Monaten Aufenthalt im Kinderheim von einem Ehepaar in Zsobok adoptiert wurde, hat vor einem Jahr geheiratet und vor 7 Wochen einen kleinen Jungen bekommen. Die glückliche junge Familie wohnt nun wieder in Zsobok.
Am Abend trafen wir uns dann im Kulturhaus wieder zum Essen und anschließend waren wir bei Elisabeth, der Heimleiterin, noch zu einem Umtrunk eingeladen.
Der Montag stand dann ganz im Zeichen politischer Gespräche. Zuerst waren wir bei Bürgermeister Jenö Ujvari in Almas. Die Gemeinde Almas, zu der Zsobok gehört, hat insgesamt 2.862 Einwohner, die auf 9 Orte verteilt wohnen. Der Bürgermeister führte uns durch das Rathaus und erklärte die einzelnen Zuständigkeitsbereiche innerhalb des Amtes. Anschließend warfen wir noch einen Blick auf das Feuerwehrauto, das die Gemeinden Freiberg, Erdmannhausen und Murr in Juni dieses Jahres der Gemeinde Almas gespendet haben. Die beiden Bürgermeister und ein Teil der Gruppe fuhren anschließend weiter aufs Landratsamt, wo sie den Vize-Landrat und den Vizepräfekten des Landkreises Zalau trafen. Der andere Teil der Gruppe besichtigte noch zwei Orte in der Nähe von Zsobok und nutzte den Nachmittag für Gespräche mit der Heimleiterin Elisabeth und den Molnárs.
Dabei erfuhren wir viel über die Sorgen und Nöte des Heimes und der Kinder. Momentan leben 51 Kinder im Heim. Weitere 5 Jugendliche besuchen das Gymnasium in Klausenburg und können dankenswerter Weise dort umsonst im Schlupfhaus Aksa leben und wohnen. Zwei weitere, Sandor und György, begannen am Montag ihr Studium in Geografie/Tourismus bzw. Tiermedizin in Klausenburg. Wir sind froh, dass Heimkinder dort einen kostenlosen Platz im Internat bekommen, den Elisabeth für die beiden jungen Männer allerdings auch erst organisieren musste. Zwei weitere junge Männer haben dieser Tage ihre Fachausbildung zum Schreiner abgeschlossen und werden ab der kommenden Woche in der Nähe von Klausenburg ihre erste Arbeitsstelle antreten.
In den nächsten Wochen soll nun endgültig auch das Altersheim in Farnas seinen Betrieb aufnehmen. Hierfür wurde inzwischen eine Stiftung gegründet, die für den Betrieb des Hauses verantwortlich sein wird und die wirtschaftlich vom Zsobok-Projekt abgekoppelt ist. Die Leitung des Altersheims wird der Schwiegersohn der Molnárs, Attila zusammen mit Irma jun. übernehmen. Die Beiden haben im August dieses Jahres geheiratet. Für das Heim liegen eine Reihe verbindlicher Anmeldungen vor. Sobald die letzten Genehmigungen da sind, soll es losgehen. Ergänzend hierzu hat Attila auch die Pfarrstelle in Farnas übernommen. Wir wünschen dem jungen Ehepaar für diese große und nicht leichte Aufgabe alles Gute uns sind weiterhin sehr gespannt, ob das Heim wie geplant funktionieren wird.
Wirtschaftlich hat das Kinderheim weiter zu kämpfen. Während Ernährung und Kleidung für die Kinder kein Problem sind, ist die Sorge um die Löhne und vor allem das Heizöl für den Winter weiterhin erdrückend. Hier hat auch das neue rumänische Kultusgesetz keinerlei Verbesserung gebracht, so dass es vom Staat auch in Zukunft nur umgerechnet 25 EUR pro Kind im Monat gibt.
Leider konnten wir auch das Projekt Holzheizung, welches zu einer deutlichen Redzierung der laufenden Kosten führen sollte, bisher nicht umsetzten, da wir als Förderverein hierzu alleine finanziell nicht in der Lage sind, die notwendigen 70.000 EUR aufzubringen.
Momentan ist noch für ca. einen Monat Heizöl im Tank und für ein Drittel der laufenden Heizkosten in Höhe von 30.000 EUR im Jahr gibt es Finanzierungszusagen. Woher der Rest kommen wird, wissen wir im Moment noch nicht.
Wir hoffen hier weiter auf die Unterstützung von Ihnen allen.
Auf Irma Molnár wartet im November leider eine große und schwere Operation. Sie wird hierdurch mehrere Monate ausfallen. Auf Grund seiner vielfältigen Verpflichtungen in Klausenburg kann János Molnár die Vertretung nicht übernehmen. Deshalb wird Elisabeth für das Kinderheim die Gesamtverantwortung übernehmen und István wird die Buchhaltung für die gesamte Kirchengemeinde übertragen. Die seelsorgerliche Vertretung wird ein pensionierter Pfarrer aus Almas übernehmen, der früher auch schon in Zsobok als Pfarrer tätig war. Wir wüschen Irma Molnár für die vor ihr liegende schwere Zeit alles Gute und Gottes Segen sowie den beiden jungen Mitarbeitern viel Kraft für ihre zusätzlichen verantwortungsvollen Aufgaben.
Mit diesen und vielen weiteren Eindrücken sind wir dann am Dienstagmorgen in Zsobok aufgebrochen und am frühen Mittwochmorgen wohlbehalten zuhause angekommen.
Eberhard Immel
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